Ein Männerchor braucht keine Frau

Welcher Teufel ist in diese Frau gefahren, dass sie sich mit dem «Herrgott» an legt? So nennt sie Christoph Blocher, den Präsidenten der SVP im Kanton Zürich.
Lange galt Nationalrätin Lisbeth Fehr aus dem «Weinland» - im Norden des Kantons Zürich gelegen - als folgsam. Man wusste, dass sie Puppen sammelt, und manche hielten sie wohl auch deswegen für eine «Bäbelitante», die allenfalls mit der Lismernadel umgehen könne. Sie vermag damit ganz schön zu stechen.

Soeben hat sie das wieder getan. Mitte der vergangenen Woche hat der SVP-Vorstand des Kantons Zürich seine Kandidaten für die Nationalratswahl bestimmt. Den ganzen Korb von einem Dutzend Männer aus der bisherigen Abordnung hat er bestätigt. Die eine Nationalratsfrau nicht. Die kleine Lisbeth Fehr. Die Medien erwähnen gern, dass sie nur 160 cm gross ist - und wir kolportieren es.
«Das war von langer Hand geplant», dessen ist sich Fehr gewiss. Ein Indiz: Schon auf der Kandidatenliste, die vor ihrer Anhörung durch den Parteivorstand verbreitet wurde, figurierte ihr Name nicht mehr.
Sie hat in den letzten Jahren die SVP-Männer tüchtig verärgert, unterstützte den Uno-Beitritt, sagte Ja zu bewaffneten Friedenstruppen im Ausland, war für die Besteuerung des Schwerverkehrs.
Und überhaupt. Die SVP habe «totalitäre Züge» und Blocher umgebe sich mit einer «kopfnickenden Gesellschaft», warf sie den Parteioberen schon vor drei Jahren an den Kopf. Nach der jetzigen Schönheitskonkurrenz der Kandidaten - wo ihr es die Nicker gezeigt haben, indem sie den Kopf schüttelten - wiederholt sie: Die Parteiführung handle «totalitär». Und setzt noch einen drauf. Eine «Radau- partei» sei’s. «Radaumacher» sind sonst die vom Schwarzen Block.
In dieser Partei politisiert sie seit
22 Jahren. Hat die Frau aus dem Weinland erst jetzt gemerkt, in welchen «gleichgeschalteten Männerchor» (so die musikliebende Lisbeth Fehr) sie in der Zürcher SVP geraten ist? - «Es war einmal anders», erinnert sie sich, «eine Mittelstandspartei, gemütlich und lustig, aber auch konstruktiv und lösungsorientiert.» Darum sei sie ja dazugestossen. «Ich bin eine Ge- werblerin, mein Mann hat eine mittlere Bauunternehmung.» Jetzt werde diese Partei «missbraucht von jemandem, der Finanzen und Macht hat». Zugegeben, nicht nur die Partei habe sich verändert. «Ich bin auch offener geworden.» Sie ist viel gereist, auch als Mitglied des Europarates.
Zu Beginn ihres Nationalrätin- nendaseins wurde sie von SP-Häuptling Helmut Hubacher schlicht als «Papagei Blochers» apostrophiert. Fehr scheint ihm nicht einmal böse zu sein. «Blocher und ich waren tatsächlich meist gleicher Meinung.» So sehr, dass der sich erlaubte, bei einer Abstimmung im Rat auch den Knopf seiner abwesenden Sitznachbarin zu drücken. Jetzt hätten sie sich eben auseinander gelebt, meint Fehr. «Es ist wie bei Eheleuten.» Blocher spreche seit Monaten nicht mehr mit ihr.
Was ist es, das diese Frau antreibt bis zum politischen Amok? Sie erzählt vom ihrem «Gerechtigkeitsgefühl». Wenn sie sehe, wie Gerechtigkeit verletzt werde, müsse sie handeln.
Dass sie von der Partei für ihr Engagement gestraft wird, ist ihr nicht egal. Im Gespräch ist Fehrs Empörung zu spüren, so kontrolliert sie sich gibt. Sie klagt, dass eine «kritische, aber lösungsorientierte Frauenstimme» ausgeschaltet werde. «Man hätte dem Volk die Wahl überlassen sollen, ob es mich im Nationalrat will», sagt sie. «Das wäre für eine Partei, die so viel auf Volkes Stimme setzt, konsequent.»
Nun erhält das Volk diese Chance nicht, und Fehr wird nicht im nächsten Nationalrat sitzen. Doch sie ist nicht bereit, klanglos von der Bühne der Politik abzutreten. «Ich bin zwar 65, fühle mich aber fit und politisiere gern», sagt sie. Das ist eine Ankündigung. Sie hat genügend Auswege. Sie ist im Europarat Präsidentin der Schweizer Delegation, sie präsidiert die Schweizer Sektion der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte. Sollte für die Weinländerin die Heimat zu eng werden, dann gibt es auch einen andern politischen Lebensraum. SVP-Verstossene können sich ja im Ausland wieder sammeln (mit Adolf Ogi).
Fehr erklärt sich immer noch zugehörig zur SVP, auch wenn im Innern der Abschied vielleicht schon vollzogen ist. Verzweifelt hofft sie, mit ihren Attacken «den Leuten in der Partei die Augen zu öffnen». Sie setzt auf kritische Geister, deren es in ihrer Kantonalpartei immer weniger gibt.
Nationalrätin Lisbeth Fehr baut ihre Puppensammlung nicht weiter aus. «Das Zimmer ist voll», sagt sie. Vielleicht ist da noch ein Grund: Ausserhalb ihrer vier Wände sieht sie jede Menge Puppen, die nicht selber denken können.
Was ist es, das diese Frau antreibt bis zum politischen Amok? Sie erzählt vom ihrem «Gerechtigkeitsgefühl». Wenn sie sehe, wie Gerechtigkeit verletzt werde, müsse sie handeln.
Dass sie von der Partei für ihr Engagement gestraft wird, ist ihr nicht egal. Im Gespräch ist Fehrs Empörung zu spüren, so kontrolliert sie sich gibt. Sie klagt, dass eine «kritische, aber lösungsorientierte Frauenstimme» ausgeschaltet werde. «Man hätte dem Volk die Wahl überlassen sollen, ob es mich im Nationalrat will», sagt sie. «Das wäre für eine Partei, die so viel auf Volkes Stimme setzt, konsequent.»
Nun erhält das Volk diese Chance nicht, und Fehr wird nicht im nächsten Nationalrat sitzen. Doch sie ist nicht bereit, klanglos von der Bühne der Politik abzutreten. «Ich bin zwar 65, fühle mich aber fit und politisiere gern», sagt sie. Das ist eine Ankündigung. Sie hat genügend Auswege. Sie ist im Europarat Präsidentin der Schweizer Delegation, sie präsidiert die Schweizer Sektion der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte. Sollte für die Weinländerin die Heimat zu eng werden, dann gibt es auch einen andern politischen Lebensraum. SVP-Verstossene können sich ja im Ausland wieder sammeln (mit Adolf Ogi).
Fehr erklärt sich immer noch zugehörig zur SVP, auch wenn im Innern der Abschied vielleicht schon vollzogen ist. Verzweifelt hofft sie, mit ihren Attacken «den Leuten in der Partei die Augen zu öffnen». Sie setzt auf kritische Geister, deren es in ihrer Kantonalpartei immer weniger gibt.
Nationalrätin Lisbeth Fehr baut ihre Puppensammlung nicht weiter aus. «Das Zimmer ist voll», sagt sie. Vielleicht ist da noch ein Grund: Ausserhalb ihrer vier Wände sieht sie jede Menge Puppen, die nicht selber denken können.

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