Jetzt hat die Zürcher SVP ein Puff
«Stoppt die Verslumung im Kreis Cheib». Mit diesem Slogan hat die SVP dem Zürcher Rotlichtmilieu den Kampf angesagt. Ein Kampf, den ausgerechnet die eigenen Mitglieder nicht so ernst nehmen. Die Sünneli-Partei hat ein Puff ums Puff.
Schuld daran ist Monica Zogg (52). Die Friedensrichterin aus Boppelsen im Zürcher Furttal ist seit letztem Jahr SVP-Mitglied. Im März hat ihre Partei sie als Kandidatin für die Bezirksrichter-Wahl in Dielsdorf aufgestellt. Zogg anlässlich ihrer Nominierung: «Meine Geisteshaltung entspricht jener der SVP.»
Eine Geisteshaltung, die offenbar ein Bordell im eigenen Haus duldet. Zogg ist Liegenschaftsbesitzerin im Zürcher Kreis Cheib. Und dort, an der Brauerstrasse 40, direkt neben der Langstrasse, sind zwei Sexsalons einquartiert.
Kein Problem für die ausgebildete Ehe- und Familientherapeutin. «Prostituierte sind auch Menschen, die Anspruch auf einen würdigen Arbeitsplatz haben», sagte sie im «Zürcher Unterländer». Sie habe das Haus gekauft, weil sie in eine Gegend investieren wollte, in die sonst niemand investiere.
Trotzdem. Da schieben sich gar dunkle Wolken vors Stadtzürcher SVP-Sünneli. Seit Monaten kämpft die Partei «gegen die Verslumung» der Kreise vier und fünf. SVP-Gemeinderat Mauro Tuena (31): «Das Rotlichtmilieu hat ein unerträgliches Ausmass angenommen.» Tuenas Forderung: «Wir wollen mehr Sicherheit und mehr Wohnraum statt Bordelle.»
Dass jetzt quasi aus den eigenen Reihen das Rotlichtmilieu unterstützt wird, stösst Tuena auf. «Als SVP-Mitglied muss sie dieses Haus einer anderen Nutzung zuführen», fordert er.
Damit wird für Zogg das Bordell zum Puff. Ihre Nominierung als Bezirksrichter-Kandidatin steht auf dem Spiel. Samuel Ramseyer, Präsident der SVP Dielsdorf: «Der Vorstand hat sich gegen eine weitere Unterstützung ausgesprochen.» Das letzte Wort hat die Delegiertenversammlung vom 23. Juni.
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