«Dieser Slogan ist heikel»: Ueli Mauer, Präsident der SVP Schweiz
Am Sonntag, den 27.07.2003 geschrieben von hugo-tAëmKategorie: Anti-SVP Blog
St. Gallen/Bern - Als er gestern vom «Neger»-Slogan und dem Schweizer hörte, der mit einem Nasenring auf einem SVP-Inseratentwurf abgebildet ist, entfuhr ihm nur noch ein «Oh». Dann, nach einer Pause, sagte Hermann Weyeneth, Präsident der Berner SVP: «Rassismus-Probleme auf Plakaten und Inseraten möchte ich keine haben.»
Unwohl war es selbst SVP-Präsident Ueli Maurer, als er erfuhr, dass die St. Galler Kantonalpartei eine Inserate-Kampagne lancieren will unter dem Motto «Wir Schweizer sind immer mehr die Neger!». «Das gibt viel Ärger», so Maurer, der von nichts wusste. «Dieser Slogan scheint mir selbst in St. Gallen nicht ganz salonfähig. Er ist heikel.»
Für Spezialisten aus dem Bereich der politischen Werbung ist die geplante Inserate-Kampagne mehr als heikel. «Der Slogan bewegt sich am Rande des Rassismus», sagt Politberater Iwan Rickenbacher. «Die SVP muss mit Klagen rechnen.» Von «Diskriminierung» spricht Christian Kauter, früherer FDP-Generalsekretär und heutiger Konzernchef der Affichage Holding (Allgemeine Plakatgesellschaft). «Es ist heute sehr verpönt, von Negern zu sprechen oder von Niggern wie in den USA. Das ist sehr fragwürdig.» Keine Probleme mit dem Slogan hat einzig Werber Hermann Strittmatter. «Zwar ist der Inhalt zum Kotzen, aber die Schlagzeile ist nicht rassistisch», sagt das SP-Mitglied. «Die SVP appelliert indirekt an die Solidarität mit den Schwarzafrikanern in der Schweiz, die genauso unterdrückt werden wie angeblich die Schweizer.»
Obwohl Ueli Maurer den Stil der St. Galler Kampagne fragwürdig findet, kann er in der Grundaussage «kein Problem» sehen. «Wir Schweizer zahlen und zahlen und zu guter Letzt sind wir dennoch die Dummen. Dieses Unbehagen ist auf den Punkt gebracht.» Auch die SVP Schweiz will es in einer landesweiten Kampagne thematisieren, via Plakate und Inserate. Vor zehn Tagen gab Maurer einen entsprechenden Auftrag an die Zürcher Goal AG für Kommunikation und Public Relations weiter die gleiche Agentur, die im Auftrag der St. Galler Kantonalpartei die «Neger»-Entwürfe gestaltet hat. Schon nächste Woche sollen die Resultate der Parteispitze präsentiert werden. «Immer und überall sind wir Schweizer nur noch Zweite», will die SVP aufzeigen, wie Maurer sagt: «Bei den Steuern, im Asylbereich, bei den Krankenkassen-Prämien, im Schwerverkehr, beim Staatsvertrag und in der Lärmbelastung.»
