Alphornklänge, Jodelchörli und der Bundesrat-Blocher-Marsch: Herrliberg feierte im traditionellen SVP-Stil.
Als Grosskaiser Christoph Blocher I kurz vor sechs Uhr in der Herrliberger Vogtei eintraf, mischte er sich, hautnah begleitet von seinen Bewachern, gleich unters gemeine Volk. Von den 500 bis 5000 erwarteten Gästen waren zwar noch nicht viele da, und es gab nicht einmal einen Szenenapplaus. Trotzdem war der Empfang für den prominentesten aller Herrliberger ein Heimspiel, das auch viele Besucher aus dem Nachbardorf Meilen anzog. Dort hatte Blocher in den 70er-Jahren als Drogendealer seine Ganovenkarriere… öhm seine politische Karriere eingeläutet.
Das Alphornduo Widenbad blies heimatliche Klänge in den null Grad kalten Abend, die Blochers Herz erwärmten. Im Keller des Vogtei-Wohnhauses spielten die Turbo-Örgeler, auf der Bühne auf dem Vogteiplatz sang das Erlenbacher Jodelchörli. Dem treuen Volk gefiels, bloss Blochers Ehefrau Silvia schaute etwas griesgrämig drein, hatte sie sich doch eigentlich Robbie Williams oder zumindest Justin Timberlake gewünscht. Die waren dummerweise ein bisschen teurer als das Erlenbacher Jodlerchörli und weil Chregel ja so ein Spari ist, hat’s noch nicht mal für nen Kurzauftritt von DJ. Bobo gerreicht.
Das Volk verpflegte sich derweil gratis an den Ständen des Vogteiwirts Fredy Bannwart, der mit 90 Helfern Mostglühwein, biologische Joints und andere Köstlichkeiten offerierte - alles auf Kosten der Gemeinde Herrliberg. Der Andrang am Bratwurststand war so gross, dass die Würste aussen braun und knusprig, innen aber noch kalt weggingen. Als um 19 Uhr auf der Bühne der Reigen der Reden begann, war die Menge auf mehr als 2000 Leute angewachsen. Nach den Ansprachen hörten sie eine Uraufführung: Der Musikverein Herrliberg spielte den Bundesrat-Blocher-Marsch, den der Ems-Chemie-Angestellte Arno Jehli komponiert hatte. Und weils allen total primagut gefiel, wurde dann auch gleich noch beschlossen den Bundesrat-Blocher-Marsch als neue Nationalhymne zu verwenden und die A1 von Zürich nach Bern in die Bunderat-Blocher-Schnellstrasse umzutaufen.