Jasmin Hutter

Jasmin Hutter, 25, wurde für die SVP in den Nationalrat gewählt und träumt oft schlecht.
Manchmal träume sie “en richtige Seich” - sagt Jasmin Hutter, SVP- und Auns-Mitglied sowie Verkaufsleiterin im Baggergeschäft ihres Vaters. Grund für Ihre schlechten Träume sind aber nicht die sinkenden Verkaufszahlen der Bagger, sondern die Ausländer. Und ihre Angst ist nicht ganz unbegründet, denn “gerade vorher bin ich hierher gefahren. Da sind ungefähr zwanzig Schwarzafrikaner über die Strasse gelaufen, alles junge Männer. Da sage ich mir, gopfriedstutz, in eurem Land hättet ihr doch genug zu tun”, wie sie uns im Sonntagszeitung-Interview vom 8.2.04 anvertraut. Wir fluchen mit Jasmin und erinnern uns sofort an die Tamilen, denn “die haben wir früher auch immer die Strasse auf und ab gehen sehen”. Das ganze scheint bei Jasmin sehr tiefe Spuren hinterlassen zu haben. Und da “momentan sehr viele Schwarzafrikaner da sind, die die Bahnhofstrasse rauf und runter laufen” ist es auch nicht verwunderlich, dass Jasmin nach Ihrer Banklehre nicht nach Zürich gegangen ist, sondern im heimeligen Altstätten blieb, wo sie mit ihren Eltern zusammen wohnt und mit potentiellen Kunden über Hydraulikpumpen von Baggern und “ab und zu auch von Teleskopladern” fachsimpelt. Daneben bekämpft sie emsig die Mutterschaftsversicherung und Pensionsalter unter 80 Jahren.

Doch wer Jasmin jetzt gleich in die Schublade der konsvervativen SVP-Schnepfen stecken will, hat sich getäuscht. Als Vorbild für die moderne Baggerverkäuferin studiert sie nebenbei nämlich noch Betriebsökonomie in Chur und geht ausserdem auch “gerne in den Ausgang”. Dynamisch, dynamisch, Jasmin! Und vollends SVP-unlike kokettiert sie dann drei Antworten später noch mit ihrer besten Freundin “Elif”. Elif ist Türkin. Aber eine angepasste Türkin, wie sie betont. Das heisst vermutlich, dass sie nicht ständig auf der Strasse auf und ab geht. Demzufolge hätten wir auch gleich die eine Lösung à la SVP für das Ausländerproblem: Liebe Ausländer und andere subversive Elemente der Gesellschaft: Geht einfach nicht mehr die Bahnhofstrasse auf und ab! Denn es ist doch irgendwie verständlich, dass es all die volksnahen SVP-Millionäre stört, wenn sie auf dem Weg zu ihrem Steueroptimierer ständig an Scheininvaliden, Asylmissbrauchern und untherapierbaren Verbrechern vorbeigehen müssen. Hoffentlich hat Jasmin dann auch weniger Albträume, in denen sie “am Wahlsonntag vom 29. Oktober von drei Leuten von der CVP Altstätten entführt, an einen Baum gefesselt, und dann alleine im Wald zurückgelassen wird”. Aber vielleicht wäre sie im Wald sowieso besser aufgehoben als in der Stadt, denn “in Bern habe ich das Gefühl, ich werde komisch angeschaut”, und “wenn ich in Zürich sage, hei, das ist aber ein huereschöner Bagger, da denken die Leute gleich: Wo kommt die denn her!”. Das denken wir ehrlich gesagt auch, Jasmin. Darum: Liebe CVP, die Idee mit dem Wald ist gar nicht so schlecht, wir würden euch auch gerne die Stricke ausleihen.

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