Wenn die Blochers Wirtschaftsprojekte sabotieren
Letzte Woche in Winterthur. Bundesrat Blochers Gattin Silvia plaudert an einer SVP-Veranstaltung über Kindheit, Einsatz für Volk und Land - und gesteht: Auch die Blochers haben schon Grossbauten gebodigt.
Gerade als die junge Familie Blocher 1969 an die Goldküste nach Meilen gezogen war, wollte die Alusiusse ein riesiges Verwaltungszentrum für 5′000 Mitarbeiter bauen. Die geldgeile Gemeinde plante dafür ein Stück Landwirtschafts- und Erholungsgebiet ruckzuck zur Industriezone zu erklären. Normalerweise treten bei solch krassen Eingriffen in die Natur die Umweltverbände auf den Plan und erheben Einsprache, schliesslich haben Grossbauten in Schutzzonen nichts verloren. Da es 1969 das Verbandsbeschwerderecht aber noch gar nicht gab, sprangen ausgerechnet die Blochers für die Umwelt in die Bresche.
Frau Blochers Geständnis: Mit Rekursen einen Neubau verhindert
Die vermeintlich grünen Blochers gründeten mit Gleichgesinnten ein gegnerisches Komitee und erreichten, dass die Sache breit diskutiert wurde. «Die Bevölkerung war in zwei Lager gespalten, und 2000 Personen kamen an die Gemeindeversammlung.» Bewunderndes Raunen von 200 SVP-Anhängern in der Winterthurer Reithalle. «Wir verloren zwar, aber die Umzonung ist bis heute nicht vollzogen», sagt Frau Blocher. «Denn wir hatten viele Juristen und Anwälte im Komitee, die Rekurse einreichten und Zeit schinden konnten.» Jetzt raunt niemand mehr in der Halle.
Normalerweise speit die Allianz aus SVP/FDP Umweltzerstörern Gift und Galle über jene, die sich gegen überrissene Megaprojekte zur Wehr setzen. Genüsslich werden Umweltverbände und Linke als Wirtschafts- und Wohlstandsverhinderer verschrien und gleichzeitig wird verschwiegen, dass die Projekte i.d.R. nicht verhindert, sondern optimiert bzw. an geeignetere Standorten verlagert werden. Und obwohl allen klar ist, dass nicht die in Sachen Umweltgesetz kompetenten Umweltverbände das Problem sind, sondern die Verzögerungsrekurse der lieben privaten Nachbarn (wie z.B. die Blochers), fordert die SVP nun scheinheilig die Abschaffung des Verbandsbeschwerderechts. Auch hier tritt also einmal mehr die Doppelzüngigkeit der SVP ans Tageslicht. Wasser predigen und Wein trinken ist nach wie vor das Lieblingsmotto von SVP-Politikern. Jetzt hat’s auch die Blochers erwischt.
Quelle: Tages-Anzeiger; 25.05.2007; Seite 17
Dieses Thema im Forum diskutieren.Ähnliche Artikel:
31. Mai, 2007 um 18:26
Erst jetzt? Dass die Mitglieder der Schweizerischen Verbrecher Partei durch und durch korrupt sind, war ja wohl schon lange klar…
01. Juni, 2007 um 09:25
Ich kann mir das Stammtisch-Gelaber schon vorstellen:
“Ja, die Blochers, die sind noch ehrliche Menschen. Die geben zu, wenn sie einen Fehler gemacht haben. Sowas von Grund auf ehrlich. Die wollen nur das Beste für uns und unser Land. Ich wähle die SVP bestimmt wieder…”