Fight SVP Spam
Bereits ein Tag nach der SVP-Spamaktion folgt die verdiente Retourkoutsche auf zahlreichen Blogs.
Da die SVP möchte, dass wir den Unterschriftenbogen für die Ausschaffungsinitiative möglichst schnell zurückschicken, tun wir das doch auch, einfach unsigniert. Den Flyer zusammenkleben oder heften und in den nächsten Briefkasten werfen. Das Porto zahlt der Empfänger und damits der SVP noch etwas mehr weh tut, schreiben wir noch ein fettes “A-Post” drauf
Und wer die SVP noch etwas mehr ärgern möchte, füllt den Bogen mit falschen Angaben aus und bestellt gleich noch 10 weitere Unterschriftenbogen.
Die SVP belieferte gestern ungefragt 4.5 Millionen Haushalte mit ausländerfeindlicher Wahlpropaganda. Der Spass hat über eine halbe Million Franken verschlungen und mit der “Aktion Retourkutsche” wirds noch ein bisschen mehr.
Bei der Spam-Aktion geht es nicht primär um Unterschriften für die Ausschaffungsinitiative, da gäbe es viel billigere Methoden die notwendigen Unterschriften zusammen zu kriegen. Viel mehr führt die von den negativen Umfragewerten aufgeschreckte Partei nun einen verzweifelten Einthemenwahlkampf, um im Oktober nicht als grosse Verliererin dazustehen. Da die SVP bei politischen Problemen wie Altersvorsorge, Gesundheitssystem, Energieversorgung oder Klimaschutz allesamt nicht Punkten kann, müssen wie gewöhnlich die Ausländer als Sündenböcke für ein paar Wählerstimmen herhalten. Die verschickte Hochglanzbroschüre über Ausländerkriminalität und die Ausschaffungsinitiative selbst sind daher reine Wahlpropaganda, wie wir sie seit Jahren kennen. Das emotionale Thema Ausländerkriminalität wird von der SVP in der (Medien)öffentlichkeit seit über 10 Jahren am Köcheln gehalten. Studien von Medienwissenschaftlern zeigen denn auch, dass die Bevölkerung bei intensiver Medienberichterstattung über spektakuläre kriminelle Handlungen eine subjektive Zunahme der gesamten Kriminalität wahrnimmt, selbst wenn die Kriminalität als Ganzes betrachtet in Tat und Wahrheit abnimmt oder konstant bleibt. Leider völlig irrelevant scheint in der gegenwärtigen Diskussion auch die Tatsache, dass es kaum in sicheres Land auf der Welt gibt als die Schweiz.
Jeder wünscht sich mehr Sicherheit, aber die heile Welt, welche die SVP mit dieser Initiative in Aussicht stellt, bleibt reine Illusion. Die SVP verspricht daher Sicherheit, die es nicht geben kann. Wo Wohlstand und Armut wie in der Schweiz aufeinanderprallen, wo die Kluft zwischen Abzocker und Working Poor immer grösser wird, wird es immer Kriminalität und Missbrauch geben. Wie die SVP die Ursachen der Kriminalität bekämpfen möchte, verrät sie uns nicht. Anstatt das Übel an der Wurzel anzupacken, gaukelt man vor das Land mit Symptombekämpfung sicherer zu machen. Bei der Ausschaffungsinitiative geht es nur leider nicht um eine sichere Schweiz, die Initiative ist nicht mehr als ein billiges Wahlkampfinstrument, das kurz vor dem Wahldebakel die Wende bringen soll. Letztes Jahr hat uns die SVP mit dem Ausländergesetz eine sichere Schweiz versprochen, jetzt mit der Ausschaffungsinitiative, in drei Jahren wird wohl die Todesstrafe für Ausländer als Heilmittel angepriesen. Wenn wir den Ausländern mit der Todesstrafe drohen, dann werden sie sich’s zweimal überlegen kriminell zu werden…
Dieses Thema im Forum diskutieren.Ähnliche Artikel:
31. Juli, 2007 um 12:15
[…] Das Volksbegehren, welches eigentlich ein Begehren des SVP ist, mit dem plakativen Namen Initiative für die Ausschaffung krimineller Ausländer verdeutlicht einmal mehr, wie sich die SVP die hochprofessionelle Projektion angeeignet hat und sich daher in keiner Weise mehr bewusst scheint, welche Zusammenhänge in welcher Form und unter welchen Bedingungen gegeben sind. Das ist aus SVP-Sicht auch gar nicht nötig, denn grundsätzlich sind immer die Ausländer schuld. Ich wünschte manchmal, dass ich ebenso einer naiven Dummheit nacheifern könnte, denn das Leben würde dadurch um ein Mehrfaches einfacher. Dass ich dabei der Realität - oder mindestens dem Zustand, den wir gerne Realität nennen und eigentlich nicht genau wissen, was er beschreibt - eine Abfuhr erteile und wohl bald beide - statt wie bisher nur eines - Beine im Himmel (oder im Falle der SVP in der Hölle) hätte, würde mich ebenso wenig stören, wie der Tatbestand, dass ich mich bräunlich süss präsentieren würde. […]
01. August, 2007 um 08:58
[…] wehret den anfängen und schickt den briefkasten-spam an den absender zurück. […]
04. August, 2007 um 11:08
[…] Eine humorvolle Ablenkung kann ich im Moment wirklich nur brauchen. Meine allseits beliebte, niveauvolle, intellektuelle «Volkspartei» ist nun auch unter die Spam-Versender gegangen und belästigt unsereiner mit Unterschriftenbögen, die gar nie bestellt wurden. Allerdings hat sie die Rechnung dieses mal ohne die Medien, insbesondere der Blogs und der denkenden Mehrheit gemacht. Diese ruft nämlich alle Empfänger auf, den Unterschriftenbogen subito zurück an die SVP zu schicken. Wenn das alle tun würden, […]
11. Februar, 2008 um 14:25
ich bin ja auch für eine Soziale Politik und in den meisten Fällen Mitte bis Links eingestellt. Finde es schade, das die schweizerische Politik so kindische Züge angenommen hat. Warum wir immer Personifiziert. Es geht hier um den Dienst am Volk und Steuerzahler. Diese Aufrufe sind lächerlich!