Klimawandel - Alles halb so wild? II
Im ersten Teil “Klimawandel - Alles halb so wild?” haben wir uns bereits an das Positionspapier der SVP zum Klimawandel herangetastet. Nun was steht noch so drin? Das wollen wir im zweiten Beitrag klären. Weiter gehts auf S.4 und 5. Dort können wir lesen:
Man muss sich jedoch bewusst sein, dass das Klima von zahlreichen natürlichen Faktoren beeinflusst wird (z.B. Sonnenfleckenzyklen), die von der Wissenschaft noch nicht vollständig verstanden werden. Es ist demzufolge nicht möglich, die Klimaentwicklung auf einen allfällig menschengemachten und einen natürlichen Teil aufzuschlüsseln, auch wenn dieser Eindruck manchmal bewusst erweckt wird.
Ja man sollte sich wirklich bewusst sein, dass das Klima auch von natürlichen Faktoren beinflusst werden. Dann käme man z.B. auch nicht auf die Idee, dass der Temperaturanstieg vor 1940 gegen die Rolle des menschlich erzeugten CO2 spreche… (siehe Beitrag Teil I)
Auch wenn die SVP es nicht wahrhaben will, es ist möglich. Der natürliche Anteil der Erwärmung im 20. Jahrhundert konnte auf ca. 0,2°C eingegrenzt werden (bei einer gesmaten Erwärmung von knapp 0,8°C) [Ammann et al. 2007]. Und an der starken Erwärmung seit 1970 spielt die Sonnenaktivität keine wichtige Rolle, da sie seit den 1950ern keinen Trend mehr aufzeigt. Erst vor kurzem ist wieder eine Studie zur Rolle der Sonnenaktivität erschienen. Das Abstract:
„There is considerable evidence for solar influence on the Earth’s pre-industrial climate and the Sun may well have been a factor in post-industrial climate change in the first half of the last century. Here we show that over the past 20 years, all the trends in the Sun that could have had an influence on the Earth’s climate have been in the opposite direction to that required to explain the observed rise in global mean temperatures.“ [Lockwood und Fröhlich 2007]
Was kommt dann:
Von den aus menschlichen Aktivitäten in die Atmosphäre gelangenden Treibhausgasen hat das CO2 das grösste Potenzial zur Beeinflussung des Klimas. Die atmosphärische CO2- Konzentration hat vom vorindustriellen Wert von 280 ppm (parts per million) auf 370 ppm zugenommen. Es gibt jedoch gewichtige Hinweise darauf, dass die Treibhauswirkung des CO2 trotz erhöhtem atmosphärischem Gehalt kaum zugenommen hat.
Die Quelle, die die SVP, für den letzten Satz der obigen Aussage anführt (J. Barret, „Die spektroskopischen Eigenschaften des CO2“, Vortrag gehalten beim Symposium „Klimaveränderungen - Ursachen und Auswirkungen“ der Europäischen Akademie für Umweltfragen, Bonn, 11.10.1997), ist lächerlich. Der Autor der Quelle, Jack Barrett (man schreibt ihn hinten mit zwei „t“), hat gerade mal eine einzige Studie (als Co-Autor) in einem wissenschaftlichen Fachjournal veröffentlich (vor 13 Jahren) [desmogblog 2007]. Seine These, dass die Atmosphäre bereits gesättigt sei und zusätzliches CO2 daher keine Rolle spiele ist bereits lange widerlegt [Realclimate 2007].
Tatsache ist, dass die gestiegene CO2 Konzentration den Treibhauseffekt verstärkt und zwar um etwa 1,66 Watt/m2. Bei einer Klimasensitivität von 0,75 K/(Watt/m2) würde sich die Erde also allein durch die gestiegene CO2 Konzentration im Gleichgewicht (also nach einer längeren Zeit) um etwa 1,25°C erwärmen. Bekanntlich gibt es aber noch andere Treibhausgase (wie z.B. Methan), aber auch kühlende Effekte wie die Aerosole. Der Nettostrahlungsantrieb durch Treibhausgase, Sonnenaktivität, Aerosole etc. beträgt derzeit etwa 1,6 Watt/m2. Damit verbunden ist eine Erwärmung um 1,2°C im Gleichgewicht. Bisher wurde eine Erwärmung um 0,8°C beobachtet. Durch die thermische Trägheit der Ozeane, werden sich diese noch weiter erwärmen, selbst wenn man die Zusammensetzung der Atmosphäre konstant halten würde. Insgesamt stehen also noch etwa 0,4°C unvermeidbare Erwärmung bevor (committed warming) [Teng et al. 2006].
Quellen
Ammann, Caspar M., Fortunat Joos, David S. Schimel, Bette L. Otto-Bliesner und Robert A. Tomas (2007): „Solar influence on climate during the past millennium: Results from transient simulations with the NCAR Climate System Model“, in: PNAS, Vol. 104, S. 3713–3718
desmogblog 2007: http://www.desmogblog.com/node/1100
Lockwood, Fröhlich (2007): „Recent oppositely directed trends in solar climate forcings and the global mean surface air temperature“, in: Proceedings of the Royal Society
Realclimate (2007): siehe „A Saturated Gassy Argument“ Teil 1 und 2 (http://tinyurl.com/2y8jl3 und http://tinyurl.com/2gvgot) seine Thesen wurden außerdem hier scharf kritisiert: http://rpuchalsky.home.att.net/sci_env/esef_thread.txt
Teng, H., L. E. Buja, und G. A. Meehl (2006): „Twenty-first-century climate change commitment from a multi-model ensemble“, in: Geophys. Res. Lett.,Vol. 33, L07706, doi:10.1029/2005GL024766
Dieses Thema im Forum diskutieren.Ähnliche Artikel:
17. August, 2007 um 20:09
Nana, dann sollte man sich vielleicht mal dies reinziehen. Dass es wärmer wird, wird nicht bestritten. Allerdings sind die Ursachen nicht unwiderlegbar bewiesen, und solange das nicht der Fall ist, ist jede Massnahme, die den ‘menschgemachten Klimawandel’ schwächen soll, nur eine Methode, Otto-Normalverbraucher zu subjugieren und abzuzocken.
17. August, 2007 um 23:50
Der typische Skeptiker-Blödsinn. Trotzdem kurz zu den “Argumenten” aus dem Link:
Mars-Erwärmung:
Lies dir dieses Paper durch: Fenton, Lori K.; Paul E. Geissler & Robert M. Haberle (2007): “Global warming and climate forcing by recent albedo changes on Mars”, Nature 446
http://humbabe.arc.nasa.gov/~fenton/pdf/fenton/nature05718.pdf
Milankovitch-Zyklen:
Die sind für den Wechsel zwischen Glazial und Interglazial zuständig (zusammen mit Ice-Albedo Feedback und CO2 Feedback). Derzeit befinden wir uns in einem Interglazial (dem Holozän), als nächstes kommt wieder ein Glazial. Dauert aber noch ein wenig (rund 50.000 Jahre), hat mir der globalen Erwärmung aber nichts zu tun.
siehe dazu auch hier: A. Berger and M. F. Loutre (2002): “An Exceptionally Long Interglacial Ahead?”, in: Science, Vol. 297, S. 1287-88
kosmische Strahlung:
Es gibt weder einen Trend bei der kosmischen Strahlung (siehe hier: http://data.blogg.de/1101280/images/cosmicrays.jpg ), noch bei der Wolkenbedeckung (siehe: A.T. Evan, A. K. Heidinger und D. J. Vimont (2007): “Arguments against a physical long-term trend in global ISCCP cloud amounts”, in: Geophysical Research Letters, Vol. 34) folglich ist der Anteil der kosmischen Strahlung an der globalen Erwärmung vernachlässigbar (T.Sloan und A.W.Wolfendale (2007): “Cosmic Rays and GlobalWarming”, 30TH INTERNATIONAL COSMIC RAY CONFERENCE
Das wars?
18. August, 2007 um 12:01
Der ewige Skeptikerblödsinn. Schlimm wirds dann, wenn einige Idioten wirklich meinen, informiert zu sein weil sie “The Global Warming Swindle” gesehen haben oder sich auf junkscience.com (oder so) “informiert” haben. Und meistens kommt gleich alles im “Ich-weiss-es-besser”-Stil daher. Leute mit einer Affinität zu Verschwörungstheorien werden natürlich sofort alle Argumente, welche gegen die anthropogene Klimaerwärmung sprechen, in die Welt herausposaunen ohne sich informiert zu haben.
Ich bin gespannt, wann sich das ändern wird. Ich bin aber nicht optimistisch, dass es schnell geht…
Martin: Danke für die zwei gut recherchierten und geschriebenen Beiträge!
18. August, 2007 um 15:29
@mk:
Ja besonders wenn es sich um Poltiker handelt, wie John Appenzeller:
“Alles unter dem Deckmantel des Klimawandels - wer die Sendung auf RTL gesehen hat, sieht, dass die “AL GORE” Praktik genauso wiederlegt werden kann.”
(damit meint der wohl die Sendung “der Klimaschwindel” eine abgeänderte Version von “The great global warming swindle”)
29. Januar, 2008 um 18:35
wir sollten etwas tun ! die chinesen sollen nicht so viele sachen erfinden ! wir sollten die erde retten ! wir sind schuldig dass es naturkatastophen geschehen !!!!!