Klimawandel - Alles halb so wild? III
Heute werden wir uns im letzten Teil der Serie “Klimawandel - Alles halb so wild?” die restlichen “Argumente” im SVP Positionspapier zum Klimawandel vornehmen, um etwas mehr Licht ins Dickicht aus Halbwahrheiten, Mythen und Fanatsie zu bringen.
Auf Seite 5 des Papiers erfahren wir:
Die natürlichen Emissionen von CO2 in die Atmosphäre betragen ca. 350 Milliarden Tonnen pro Jahr. Die CO2-Emissionen aus menschlichen Quellen, die sogenannten anthropogenen Emissionen betragen 26 Milliarden Tonnen, also lediglich rund 7 % der natürlichen Emissionen. CO2 wird vom Menschen zum grössten Teil durch die Verbrennung fossiler Brenn- und Treibstoffe und in geringerem Mass durch die Abholzung und andere Prozesse in die Atmosphäre emittiert. Noch sind viele natürliche Prozesse, die CO2 in die Atmosphäre eintragen bzw. aus der Atmosphäre entfernen, nicht einmal ansatzweise geklärt. Riesige Mengen CO2 verschwinden in sogenannten „Senken“, von denen nur die wenigsten bekannt sind.
Die anthropogenen CO2 Emissionen also vernachlässigbar gegenüber den natürlichen CO2 Emissionen? Nein! Um zu verstehen welchen Fehler die SVP hier gemacht hat, müssen wir einen Blick auf einen Kohlenstoffkreislauf werfen:

Auf den ersten Blick scheinen die anthropogenen Emissionen im Vergleich zu den natürlichen CO2 Emissionen
schon verschwindend gering zu sein. Doch der Schein trügt. Die natürlichen CO2 Quellen nehmen nämlich genausoviel Kohlenstoffdioxid auch wieder auf, wie sie zuvor abgegeben haben. Die marine Biosphäre z.B. gast pro Jahr etwa 90 GtC (hier wird nur das Gewicht vom Kohlenstoff-Atom beachtet und nicht das gesamte Gewicht des Kohlenstoffdioxid-Moleküls) aus, nimmt aber gleichzeitig genausoviel CO2 wieder auf. Das gleiche gilt für die terr. Biosphäre. Im Gleichgewicht ist dieses System per Definition, wenn genau soviel veratmet wird, wie erzeugt wird, und somit das CO2 Niveau stabil bleibt (Nettofluss ist Null). Aus diesem Grund blieb die CO2 – Konzentration auch die letzten 6.000 Jahre sehr stabil und schwankte nur leicht (um 10-20 ppm).
Jetzt kommt der Mensch hinzu. Er stößt jedes Jahr etwa 8 GtC aus (der Wert auf der Grafik ist schon etwas veraltet). Aber wir haben Glück: Nur etwa die Hälfte unseres CO2 reichert sich Jahr für Jahr in der Atmosphäre an, die andere Hälfte wird von den Ozeanen und der terr. Biosphäre zusätzlich mehr aufgenommen (jeweils etwa 2 GtC) [McNeil et al. 2003]; d.h. Ozeane und terr. Biosphäre nehmen derzeit mehr CO2 auf als die abgeben. Dies hat übrigens die Versauerung der Ozeane zur Folge. Als Folge der Kohlenstoffdioxidaufnahme sinkt der pH-Wert der Ozeane. Der vorindustrielle pH-Wert des oberflächennahen Meerwassers hat bereits von 8,25 um 0,11 Einheiten auf 8,14 abgenommen [Jacobson 2005]. Die anderen 4 GtC akkumulieren sich in der Atmosphäre und sorgen dort dafür, dass die CO2 – Konzentration jedes Jahr um etwa 2 ppm ansteigt. Der CO2 Anstieg ist rein durch den Menschen verursacht, daran bestehen absolut keine Zweifel in der Wissenschaft (dass der CO2 Anstieg anthropogen verursacht wird, konnte übrigens schon in den 50ern nachgeweisen werden).
Zuletzt erfahren wir von der SVP dann noch etwas über die Klimamodelle:
Aufgrund der Zunahme des CO2-Gehaltes der Atmosphäre wurden zahlreiche Modelle berechnet und Prognosen gemacht, wie sich die Temperatur auf der Erde in Zukunft entwickeln könnte. Es handelt sich bei diesen Angaben jedoch keineswegs um gesicherte Prognosen, sondern um zum Teil stark voneinander abweichende Szenarien, die in der Vergangenheit häufig nach kurzer Zeit überholt waren.
Auch dies entspricht nicht der Wahrheit. Die große Spanne der möglichen Erwärmung bis zum Endes dieses Jahrhunderts (1,1 - 6,4°C) ist durch die Ungewissheit der ökonomischen Entwicklung in der Zukunft bedingt. Es liegt also in unserer Hand, ob wir am Ende eher bei 1°C oder bei 6°C landen. Wie sich das Klima dagegen verändert, wenn man z.B. die CO2 Konzentration verdoppelt (von 280 auf 560 ppm) weiß man recht genau. Es würde im Gleichgewicht zu einer Erwärmung von 2-4,5°C führen, bei einem besten Schätzwert von 3°C [Annan und Hargreaves (2006)].
Aber stimmt die Aussage, dass frühere Prognosen sich schnell als falsch herausgestellt haben?
Eine der ältesten Klimaszenarien ist von James Hansen et al. aus dem Jahre 1988 (Hansen, J., I. Fung, A. Lacis, D. Rind, Lebedeff, R. Ruedy, G. Russell, and P. Stone, 1988: Global climatechanges as forecast by Goddard Institute for Space Studies three-dimensional model. J. Geophys. Res., 93, 9341-9364, doi:10.1029/88JD00231). Er benutzte damals drei Szeanerien: A, B, und C: “They consisted of hypothesised future concentrations of the main greenhouse gases - CO2,
CH4, CFCs etc. together with a few scattered volcanic eruptions. The details varied for each scenario, but the net effect of all the changes was that Scenario A assumed exponential growth in forcings, Scenario B was roughly a linear increase in forcings, and Scenario C was similar to B, but had close to constant forcings from 2000 onwards. Scenario B and C had an ‘El Chichon’ sized volcanic eruption in 1995. Essentially, a high, middle and low estimate were chosen to bracket the set of possibilities. Hansen specifically stated that he thought the middle scenario (B) the “most plausible”. „
In der Grafik rechts ist zu den drei Szenarien noch die Beobachtung eingezeichnet. Und war Hansens Modell erfolgreich?

Fazit
Abschliessend lässt sicht feststellen, dass das SVP Positionspapier von einer unglaublichen Arroganz zeugt. Eigentlich dürfte man doch erwarten, dass die SVP den aktuellen Stand der Forschung kurz wiedergibt, so wie er im aktuellen IPCC Bericht zusammengefasst wird. Dieser Bericht stützt sich auf unzählige Studien aus Fachmagazinen wie Science oder Nature. Doch dies ist nicht der Fall. Im Gegenteil, die SVP vertritt Minderheitsmeinungen, so wie sie von keinen ernstzunehmenden Wissenschaftlern vertreten werden, beruft sich auf Quellen, die in der Wissenschaft nicht als zitierfähig gelten (wie Zeitungsartikel). Es ist schockierend, dass sich eine Partei scheinbar ihr eigens Bild der globalen Erewärmung zusammenschustern will, was ihr kläglich gescheitert ist.
Quellen
Annan, J.D. und J.C. Hargreaves (2006): „Using multiple observationally-based constraints to estimate climate sensitivity“
Jacobson M.Z. (2005): Studying ocean acidification with conservative, stable numerical schemes for nonequilibrium air-ocean exchange and ocean equilibrium chemistry, in: Journal of Geophysical Research, Vol. 110, Internet:
http://www.stanford.edu/group/efmh/jacobson/2004JD005220.pdf
McNeil, Ben I., Richard J. Matear, Robert M. Key et al. (2003): Anthropogenic CO2 Uptake by the Ocean Based on the Global Chlorofluorocarbon Data Set, in: Science, Vol. 299, Nr. 5604, S. 235 - 239
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