Warum hat der Tagi Verena nicht lieb?
Eigentlich müsste der liberale Tagesanzeiger die Kandidatur von Verena Diener begrüssen, positioniert sich die Zeitung gemäss eigenen Aussagen haarscharf links der Mitte. Wer die Berichterstattung dieser Woche verfolgt hat, kommt etwas ins Grübeln. Den Anfang bestritt Chefredakteur Peter Hartmeier am Montag, der in seinem Kommentar - im Unterschied zur Mehrheit der Leserschaft - Chantal Galladé als die aussichtsreichere Kandidatin bezeichnete. Was der Tagi den Linken zurecht vorwirft - einen intellektuell abgehobenen Wahlkampf zu betreiben - führt Tagi-Chef Hartmeier dann gleich selbst vor:
Im Gegensatz zu Verena Diener verfügt Galladé über das Potenzial, eine Symbolgestalt des jungen, städtischen, weltoffenen Kantons Zürich zu werden.
Wow, mit solch eingängigen Argumenten scharrt man das Proletariat in Reihen hinter sich. Statt städtisch spricht die offizielle SP natürlich lieber von urban und kosmopolitisch klingt auch gleich viel kuuler als so ein biederes weltoffen.
Und sie liebt - im Unterschied zur abgebrühten Diener - offensichtlich Wahlkämpfe, wie sie in den letzten Monaten bewiesen hat. Nur eine beseelte Kämpferin hat eine minimale Chance gegen den Favoriten Ueli Maurer.
Hartmeiers Kommentar klingt irgendwie wie aus einer SP-Medienmitteilung übernommen. Und seine Argumente für Galladé, von denen es selbstverständlich auch gute gibt, geben doch zu denken:
Ihr Alter, ihre sozio-kulturellen Wurzeln und ihre Stellung als allein erziehende Mutter machen sie in jeder Hinsicht zu einer Alternative zu Maurer.
Chantal Galladés Qualifikation als Ständerätin ist also ihre Eigenschaft alleinerziehende Mutter zu sein. Na dann Prost! Ich denke die Frau hat einiges mehr zu bieten.
Nach diesem ersten Angriff auf Verena Diener durfte in den folgenden Tagen so ziemlich jeder Tagi Journalist eine Speerspitze gegen die Kandidatin der Grünliberalen (GLP) abschiessen. Auf die Spitze treibt es dabei Hans-Peter Bieri:
Diener und Galladé boten in den letzten Tagen ein Katz-und-Maus-Spiel, bei dem Diener die Katze, Galladé die Maus war. Galladé hielt sich an die Spielregeln. (..) Galladé hielt an ihrer Kandidatur fest, der Rest zog sich zurück. Ausser Diener. Sie sagte weder Ja noch Nein und machte sich stattdessen an die Demontage Galladés. Ein heuchlerischeres Spiel hat man kaum je erlebt. Diener hatte über Galladé nur Lobendes zu sagen, aber Lob wurde selten herablassender und vergifteter geäussert. «Sie ist charmant. Sie hat einen guten Wahlkampf geführt.» (..) Diener gab zwischen den Zeilen ständig zu verstehen, dass sie sich nicht nur für weit besser hält als Galladé, sondern dass deren Vorsprung auch nur auf einem Irrtum der Wähler beruhen könne.
Quelle: Tagi
Da hat wohl einer noch nicht ganz verstanden wie die Spielregeln in einem Wahlkampf aussehen. Und ganz peinlich für Bieri wird’s, wenn er auf Seite 15 schreibt….
Woher soll das nötige Geld für den Wahlkampf kommen? Von der SP sicher nicht, von den anderen Parteien auch nicht; und die GLP allein hat noch kaum eine gefüllte Kriegskasse.
… und auf Seite 25 ein halbseitiges SP-Inserat für Verena Diener wirbt
Da scheint Mitte-Links vereinter zu sein als es der Mitte-Links Zeitung lieb ist.
Dank dem Festhalten von Diener an ihrer Kandidatur wird’s für Ueli Maurer und Ulrich Schlüer nochmals richtig eng. Ausserdem erhält die Umwelt eventuell gleich zwei Sitze im Ständerat (den ersten haben die Günen in Genf geholt) und die SP schliesslich kann sich durch den Verzicht von Galladé als pragmatische Partei positionieren und somit auf einen Imagegewinn hoffen. Jede weitere Niederlage würde ihr Image als Verliererpartei nur noch weiter zementieren. Warum also nun dieses Risiko eingehen, wenn man den Sitz in vier Jahren mit einer dann wohl noch stärkeren Galladé der GLP abjagen kann?
Dieses Thema im Forum diskutieren.Ähnliche Artikel:
27. Oktober, 2007 um 13:53
tja. hast du die metamorphose des tagi denn erst jetzt wahrgenommen.?
blochers millionen haben dort wunder gewirkt
der tagi ist fast so stramm auf völkischem kurs wie das parteiblättchen.
mach mal die probe aufs exempel. bei galade versus diener wars schon fast witzig. aber auch sonst….was der tagi empfiehlt, wie er gewichtet, was er vermitteln möchte, alles auf kurs der hurenpartei!
also lesen um umdrehen. dann kommst du den “realitäten” schon sehr viel näher. lustig war auch die hochjubelung des “historischen sieges” war es ja nicht. weit daneben. aber man wollte auf der linie bleiben.
grinsss..grinsss.