Vor 1990 war alles einfach und gut

Die Amis waren die Guten, die Russen die Bösen. Die BRD war lieb, die DDR war bös. So einfach kann die Welt sein und jeder SVPler wusste ganz genau, wer gut ist und wer nicht. Doch dann brach die Mauer in Berlin und der Eiserne Vorhang war nicht mehr. Jetzt gabs auf einmal keine Kommunisten mehr und die Russen waren plötzlich die guten Geschäftspaartner mit dem vielen prima Erdgas, während die doofen Amis bloss überall lästige Kriege anzettelten.

In den 90er Jahren vernichtete die Globalisierung mehr Arbeitsplätze in der Schweizer Industrie, als Lothar Bäume knickte. Schweizer Unternehmen lassen ihre Produkte nun von gutbezahlten Chinesen in modernen, umweltfreundlichen Fabriken fabrizieren, in denen eine dermassen tolle Atmosphäre herrscht, dass jeder Chinese gerne gleich 16 Stunden am Tag arbeitet. Und weils keine Gewerkschaften gibt, werden die fleissigen Chinesen auch von niemandem am Arbeiten gehindert. Schön, da steigt das Bruttosozialprodukt und alle sind happy und froh.

Und was hat dies mit der SVP zu tun? Die beackert seit 1990 fleissig die Globalisierungs-Verlierer, also die ehemalige Schweizer Arbeiterschicht, und polt sie zu SVP-Wählern um. All jene, die ihren Job an einen Polen, Tschechen oder Chinesen verloren habe, sind empfänglich für fremdenfeindliche Parolen, egal wie irrational sie sein mögen. Die Globalisierung und der Vormarsch der SVP verlaufen zeitlich parallel. Zwar hat die SVP beispielsweise die Abstimmung über die Personenfreizügigkeit verloren, gleichzeitig aber bestimmt neue Wähler gewonnen. Nämlich all jene, die sich mehr denn je vor offenen Grenzen und einer globalisierten Welt fürchten. Und genau diese Angst wird von der SVP seit 1990 systematisch geschürt. Das Mittel hierzu ist so simpel wie erfolgreich, nennt sich Populismus und die SVP ist Weltmeister darin. In der kleinen SVP-Welt existiert nun Schwarz und Weiss, wobei letzteres natürlich für die Schweiz steht. Die SVP ist (für) das Volk und gegen die Elite. Es wird systematisch vereinfacht und gelogen, emotionalisiert und skandalisiert. Ein Führerkult wird aufgebaut, da nur ein mächtiger Erlöser die Schweiz noch retten kann. Im Anti-SVP Blog äusserst sich dies dann in “SVP-4Ever” und “Heil Blocher” Parolen und die NZZ bekommt nette Leserbriefe, in denen 70-Jährige die Deutschen über den Rhein zurück ins Reich jagen wollen.

Dass die SVP je länger desto weniger mit den Attributen bürgerlich und konservativ betitelt werden kann, fällt vielen Schweizern (inklusive Medien) anscheinend noch immer nicht auf. Die schleichende Radikalisierung der Partei sticht dafür denen um so mehr ins Auge, die die Schweizer Politik seit langem von aussen verfolgen. Einer dieser besorgten Beobachter ist Heiner Geissler, ehemaliger Generalsekretär der durch und durch konservativen CDU.

Wenn die Fahne fliegt, ist der Verstand in der Trompete - so ein ukrainisches Sprichwort. Das könnte auch C. G. Jung aus Küsnacht gesagt haben, der meinte, der Irrsinn sei bei einzelnen Menschen selten, bei Völkern aber die Regel. Nun haben die Deutschen bei der Fussball-WM ihr Land auch in ein Fahnenmeer getaucht; und solange das Irrationale sich in Farben und Tüchern verdichtet, kann es sogar Spass machen. Es gibt aber in der Schweiz eine Partei, die das Nationale politisiert, zur Fremdenangst missbraucht und die Schweizer zu Nationalisten machen will. Die SVP hat Fremdenfeindlichkeit zum Programm gemacht, und sie bekommt Zulauf.

In der Schweiz hat sich das Klima verändert, weil die SVP den Ton angibt und die anderen politischen Parteien sich mehr oder weniger anpassen oder wegducken, was auch für die Medien gilt. Wenn an einer Schweizer Universität der Lehrstuhl für Schweizer Geschichte gestrichen wird und eine angesehene Tageszeitung ohne jede Recherche die Frage stellt, ob da vielleicht deutsche Professoren dahinterstecken, dann ist das mediale Liebedienerei und ein Beitrag zur schleichenden Vergiftung des deutsch- schweizerischen Verhältnisses.

Die bürgerschaftlich-freiheitliche Gesinnung, die überall in der Schweiz anzutreffen war, ist einer diffusen, fast rechtsradikalen Atmosphäre gewichen. Die Schweizer Luft ist noch nationalkonservativer als früher geworden, autoritär, reaktionär, romantisierend rückwärtsgewandt, die heile Welt beschwörend, antimodern, gegen die Emanzipation der Frau, für autoritäre Erziehung und Prügelstrafe, gegen supranationale Einbindung und alles Fremde und vor allem gegen Europa - alles Eigenschaften, die den klassischen Konservativen fremd waren. Diese waren Anhänger einer zivilgesellschaftlichen Ordnung, verwarfen jede Dogmatisierung der Politik und wollten durch Common Sense zu brauchbaren Ergebnissen kommen.

Angeblich Konservative wie Blocher vertreten die Omnipotenz von Law and Order, die Renaissance des Nationalismus und eine entsolidarisierte Zweidrittelgesellschaft. Menschen, die so denken, gibt es europaweit, auch in Deutschland. Aber sie finden ihre politische Heimat in grossen Parteien, in deren umfassende Programmatik sie eingebunden werden, während in der Schweiz sich die SVP weitgehend auf das rechtsradikale Gedankengut spezialisiert. Ein wichtiger Grund für diesen Rechtsruck ist die Angst vieler Menschen vor der Zukunft in einer globalisierten Welt, die von anonymen Kapitalinteressen beherrscht wird, aber auch die Angst vor einem Europa, das durch die überstürzte Osterweiterung und das Lohndumping der Osteuropäer die einheimischen Arbeitsplätze gefährdet.

Was der Pole für den Deutschen, wird der Deutsche für den Schweizer. Das rechtsradikale Potenzial wird in der Schweiz weiterwachsen, solange Sozialdemokraten, Freisinnige und Christlichdemokraten sich unfähig erweisen, ein Konzept z. B. einer internationalen ökosozialen Marktwirtschaft zu entwickeln, das wieder einen geordneten Wettbewerb und eine humane Gestaltung des Globalisierungsprozesses ermöglicht und jungen Menschen eine Perspektive für eine sichere und menschliche Zukunft bietet.

Heiner Geissler (NZZamSonntag 18. November 2007)

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  • 5 Kommentare zu “Vor 1990 war alles einfach und gut”

    1. Schaf- und Ziegenmetzger schrieb:

      Ja und ich sehe keine Anzeichen der Besserung bei den anderen Parteien. Dabei muss man fairerweise sagen das die SVP mehr Geld hat als alle anderen Parteien zusammen und wenn Blocher mal weg ist, werden sies schwer haben. Aber trotzdem, die anderen Parteien lassen oft an professionalität vermissen.

    2. sudsy schrieb:

      höre grade die reaktion in deutschland, damals? auf die “kolonialsoldaten” im rheinland zu 20′000 tausend stationiert
      aus afrika und indochina, verunglimpft, beleidigt sogar zwangsterilisiert usw.!!!!
      galileo wird von der eu einstimming angenommen und deutschland
      ist beleidigt & sagt wir zahlen also wollen wir auch befehlen.
      die schweiz will inzwischen das selbstt$tungbusiness auch den deutschen
      anempfehlen. die deutschen belehren palliative medizin die schmerzen
      können immer sediert werden.
      moskau die grösste filmindustrie europas; es gibt zwei arten film und
      in der mongolei möchten sie auch lieber die,die zum denken anregen.
      vorher im news teil kam noch was über die psychiatrisierung zu politischen zwecken. tja und das ist wieder die schweiz. die schweiz
      bricht menschen wie äste die familien in der schweiz helfen gegebenenfalls
      fleissig mit. i dr rs wird dä de das scho no lehrä zb u.U
      /

      Maurice Bejart ist verstorben, und im ignoranz schrieb ich dass die
      schweiz ein land mit nur männern ist. auch die frauen sind männer.
      krieg krieg experimental chemiemedizin die den menschen aussen vor lässt. rassismus kaltherzigkeit sogar eine 16 jährige wurde erschossen.
      die medien melden das sei ganz schwierig zu klären, wollen sie oder
      wollen sie nicht. es ist sehr reisserisch was die schweiz da lebt.
      die kaltherzigkeit lässt mich schaudern, und an die angehörigen meine
      tiefste betroffenheit. die kriminalität wird massive geschürt das ist
      unglaublich. die politisch verantwortlichen trifft grosse schuld, diese
      ignoranz und dieses verbreiten von lügen ist unentschuldbar.
      es wurde rassismus geschürt und das erträgt der deutsche sprachraum
      nicht schon wieder. oder war es immer so item in hohem alter und
      etwas kombinationsgabe kommen einem verschiedene gedanken.

      nun schreibt die welt.de

      Balanchine sagt; Ballett ist weiblich: und Bejart könnte gesagt haben
      Tanz ist männlich. tja die deutsche sprache und mentalität ist ja
      scheppert was ist bitte Ballet wenn nicht auch Tanz. ok die spontanität
      ist nicht für jeden offensichtlich, doch Ballett kann genau so wie Tai Chi,
      Afrikanische Tanz und Filmkunst, arabische Tanz und filmkunst. globale
      kunst tanz sein. merksch öppis? bin nicht gegen deutsche allgemein,
      doch deutsch ist sicher nicht das was europa ein profil gibt, besonders
      nicht wenn es tönt wer zahlt befiehlt. und die schweiz ist zu bedauern
      und es ist ein irrsinn was da abgeht. die deutsche kolonialisierung der schweiz das heisst nur
      das interesse am SFR für einige ost religionsgründer und im christlichen
      sektensinne agierende die aber die veraltete gesellschaft im revival
      ihrer kooperation in vergangenen zeiten wiedererblühen lässt.
      nun wollen sie ja das gläserne europa und die schweiz wird da
      ein findsteres loch, also irgendwie haben die im anderen forum schon recht
      wenn sie sagen europa dreht sich nur noch sehr um sich selber.
      et ça tourne et tourne, je vais regarder Monsieur Bejart, choreo=danseurs
      graphe=ecrire, dans une façon de sagesse,
      car écrire c’est aussi les penses, comme la dance, comme agire,
      comme se lever, comme aller, je voulais dire chaque pas il faut sentir,
      on peut bien payer attention.

    3. sudsy schrieb:

      Monsieur Bejart, parle sur la lumiere, et un Grand Monsieur Goethe ?, ou
      quelqu un d’autre qui est pour la culture un trendsetter en tous cas allemand ! ! a dit quand il est mort: “Plus de lumière.”

      et lui Maurice Bejart aimerait dire a l’heure de son mort
      au jeunes, a la jeunesse il dit;

      “Plus de dance” -

      rest in perfect peace Monsieur Bejart,

      grand respect et amour pour vous, meme une camerade de l’ecole
      a eu la chance de etre danseuse dans votre compagnie encore a
      Bruxelles a l’epoque, mois j’etais quelque par d’autre. mais j’ai
      beaucoup aimer, quand vous etes venus a Lausanne, et aussi
      la internationalite des vos oeuvres, mes touche. Je suis aller en
      Inde et on m’a accepter a l’ecole, et a l’heure de votre mort,
      je suis arrivee de chercher une amie depuis longtemps, et j’avais
      honte pour un moment qu elle etait mort elle a le meme age que vous.
      et en cherchant cette fille, j’ai rechercher chez une danseuse ou son
      fils est a Paris au Garnier, et c’etait un cadeau extraordinaire, elle
      m’a invite toute suite, et ça ma montree la fidelitee de la dance,
      car meme j’ai encore des soucis pour ma famille, et ca me fait
      douleurs de vous suivre, mes circumstances sont ne pas pas optimal.

      Merci Monsieur vous avez fait La Suisse un Cadeau trop grand, je faireais
      tous pour nous rendre qu’on merit

      Plus de Dance, Monsieur Bejart a creer l’ecole Mudra a Dakar, Senegal

    4. Darth_Revan schrieb:

      @Sudsy:

      Hä? Bitte auf Deutsch schreiben, sonest ick nix v$aer£eh, ölkay?

      Ich hab überhaupt nichts von dem was du geschrieben hast verstanden.

    5. hot---lolita schrieb:

      ihr seid doch einfach nichts wisser

    Kommentar: